Die Landhebamme

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Sie holt die Emmentaler auf die Welt. Oft ist Annemarie Wälti Stüdeli mit dem Velo unterwegs. Einen Spurt zur Geburt durch Kälte und Schnee – «und ich fühle mich wie neugeboren».

© Schweizer Illustrierte; 12.02.2016 || Fotos Kurt Reichenbach
Die Reportage als PDF.

Annemarie Wälti Stüdeli. Bereits ihr Name ist eine Form von Geburtshilfe. Werdende Mütter – erschöpft von Eröffnungswehen, Austreibungswehen, Presswehen – fühlen schon beim Wohlklang ihres Namens Ruhe, Trost und Stärkung. Annemarie Wälti Stüdeli: Mit ihr kommt man auf die Welt.

Seit 20 Jahren arbeitet sie als Hebamme, gut 700 Kindern hat sie auf die Welt geholfen. Heute ist sie frei praktizierend im Emmental BE, betreut Frauen während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Ein erfüllender Beruf sei es, sagt sie, noch heute zitterten ihr nach jeder Geburt die Hände vor lauter Ergriffenheit, «denn ich begleite ein Wunder». Früher trug sie ihr Haar kurz, doch glaubte manche Schwangere, sie sei die Tochter der Hebamme («gang Meitli, rüef schnell de Mueter!»), also liess sie ihr Haar wachen, um älter zu wirken. Mit mässigem Erfolg. Wer gäbe der Frau 41? Das Piercing in ihrem Nasenflügel macht sie halt auch nicht grad älter.

Annemarie Wälti Stüdeli ist die Einfühlsamkeit in Person. Nie spricht sie von «Patientinnen», sondern von «mini Froue», bevor sie den Bauch einer Schwangeren abtastet, rubbelt sie sich die Hände warm, und eine schnelle, problemlose Geburt umschreibt sie lyrisch-bodenständig mit «wie dür de Anke». Selbst der «Keine Werbung»-Kleber an ihrem Briefkasten daheim in Zollbrück BE ist betont höflich. Da steht: «Keine Werbung. Merci». Genau diese Einfühlungsgabe ist es, die eine seit Stunden in den Wehen liegende Gebärende braucht.

2014 kamen in der Schweiz 85 287 Kinder zur Welt. 4109 davon mithilfe von frei praktizierenden Hebammen im Spital, im Geburtshaus – oder daheim: 877 Kinder waren Hausgeburten. Die Anwesenheitsdauer der frei praktizierenden Hebamme bei einer Geburt beträgt im Durchschnitt 9 Stunden 34 Minuten.

Die ganze Reportage gibt es hier als PDF.