Starparade

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Vom Hirn zum Gestirn. Im Bündner Dörfchen Lü steht das himmlische Observatorium von Vaclav und Jitka Ourednik. Das Professoren-Ehepaar erforschte früher Hirnerkrankungen, heute greift es mit seinem Astrovillage nach den Sternen.

© Schweizer Illustrierte; 25. Februar 2017 || Fotos Kurt Reichenbach
Die Reportage als PDF

Der Name des Dorfes klingt entschieden zu hell. Lü soll vom lateinischen Wort lux stammen, was Licht bedeutet. Ausgerechnet. Dabei gibt es schweizweit keinen anderen Ort, wo die Nacht dunkler und die Finsternis schwärzer ist. Was Lü einen einzigartigen Sternenhimmel und darum internationalen Astronomie-Tourismus beschert. Dank seiner Düsterheit steht das Dorf im Scheinwerferlicht.

Lü hat 55 Einwohner, eine Kirche, das höchstgelegene Ein-Platz-Internetcafé der Schweiz. Und zehn Strassenlampen.

Es geht gegen Mitternacht zu. Die Hauptgasse Via Maistra liegt schummrig da, vereist und verwaist. Die mit Kratz-Sgraffito verzierten Bündner Steinhäuser wirken um diese Zeit kalt und abweisend, und selbst in der sonst festlich erleuchteten Usteria al Tschierv, im «Hirschen» (berühmt für Spaghetti Mamma Lü , brennt kein Licht mehr. Die Einheimischen schlafen längst – die Besucher sind hellwach.

Am Dorfrand spielt sich Wunderliches ab. Frauen und Männer mit wattierten Jacken, Stirnlampen und unbündnerischen Dialekten stellen Stative auf, montieren Teleskope und Fotoapparate, linsen durch Okulare und Sucher und hauchen weisse Atemwolken und Wörter wie Strudelgalaxie, Kugelsternhaufen und Seelennebel in die Nacht hinaus. Und dann stehen da noch, auf einer nahen Alpwiese im Schnee, drei weisse, grosse Kuppeln, Iglu-Ufos aus Leichtmetall, fremd, rätselhaft, futuristisch.
Wie nicht von dieser Welt.

Die ganze Sternen-Reportage lesen Sie hier als PDF.

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